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Heidelberger Orchideensammlung Heidelberger Orchideensammlung

Der Botanische Garten der Universität Heidelberg ist auch für seine etwa 1500 Arten umfassende Kollektion tropischer Orchideen bekannt. Diese wissenschaftliche Sammlung steht in einer langen Tradition. 1863 wird Wilhelm Hofmeister – einer der bedeutendsten Botaniker überhaupt – Professor für Botanik in Heidelberg und beginnt mit dem Aufbau einer Orchideensammlung im damaligen Heidelberger Garten. In diese Sammlung wurden auch Pflanzen des damals weltweit führenden Orchideenexperten Heinrich Gustav Reichenbach aufgenommen. Reichenbach galt Zeitgenossen als schwierig, und die Benennung einer Orchideenart in Hofmeisteriella eumicroscopica (»das wirklich mikroskopisch kleine Hofmeisterchen«) war wohl typisch für seine Art von Humor.

Auf Hofmeister folgt 1872 Ernst Pfitzer, der zu Beginn seiner Amtszeit einen neuen – seit Gründung im Jahr 1593 – sechsten Heidelberger Garten eröffnet. Die bestehenden Orchideenbestände nutzte er, um ein neues Orchideensystem auszuarbeiten. Zahlreiche Gattungsnamen, darunter Paphiopedilum, gehen auf diese Arbeiten zurück. Bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 1906 hatte Pfitzer eine Sammlung mit etwa 800 Arten aufgebaut. Die Pfitzersche Sammlung wurde auch nach der 1915 erfolgten Verlegung des Gartens an den heutigen Standort weiter kultiviert. Die Nachfolger Pfitzers (Georg Albrecht Klebs, Ludwig Jost, August Seybold) waren allerdings keine Orchideenforscher, sondern wichtige Pflanzenphysiologen ihrer Zeit. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Heidelberger Gewächshausanlage durch Bombenangriffe beschädigt und damit die Sammlung Pfitzers vollständig zerstört.

Die Ära Senghas: 1960 wird Werner Rauh Direktor des Gartens und übergibt kurz darauf das Kustodenamt an seinen Schüler Karlheinz Senghas mit dem Auftrag, eine neue Orchideensammlung aufzubauen. Durch Forschungsreisen und Tausch wurde eine fast unüberschaubare Vielfalt tropischer Orchideen zusammengetragen; die Basis für über 300 Veröffentlichungen, darunter zahlreiche Neubeschreibungen von Gattungen und Arten. Das Lebenswerk von Senghas war die Neubearbeitung des Schlechterschen Handbuchs »Die Orchideen« – ein Standardwerk für Botaniker, Orchideen-Liebhaber und Züchter –, die sich über 30 Jahre hinzog. Der letzte Band des »Schlechters« erschien, neun Jahre nach Senghas Pensionierung, im Jahr 2002. Nur zwei Jahre darauf verstirbt der vierte deutsche »Orchideenpapst«, der mit dieser Bezeichnung in eine Reihe mit Reichenbach, Pfitzer und Schlechter gestellt wird.

Ende der 1990er-Jahre wurde die von Senghas aufgebaute Orchideensammlung als offizielle Schutzsammlung unter die Aufsicht des Regierungspräsidiums Karlsruhe gestellt. Diese Schutzsammlung dient heute dem Artenschutz, der öffentlichen Bildungsarbeit und ist natürlich auch weiterhin die Basis für aktuelle, auch internationale Forschungsprojekte. Aufbauend auf dem Werk der »Altmeister« werden heute zunehmend molekulare Methoden verwendet, um dem ›Geheimnis‹ der Vielfalt der Orchideen weiter nachzuspüren. Die Heidelberger Orchideensammlung – nicht selten unter schwersten Bedingungen zusammengetragen, mit hohem Einsatz wissenschaftlich bearbeitet, aufwändig in einer Datenbank verwaltet und mit größter gärtnerischer Kompetenz kultiviert – wird auch künftig die Grundlage wissenschaftlicher Arbeiten sein.